Krankheitserreger bei Wildtieren: Welche Gefahren bestehen für den Menschen?

Krankheitserreger bei Wildtieren: Welche Gefahren bestehen für den Menschen?

Wildtiere sind ein wichtiger Bestandteil funktionierender Ökosysteme. Gleichzeitig können verschiedene Wildtierarten Träger von Viren, Bakterien, Parasiten und anderen Krankheitserregern sein. Viele dieser Erreger bleiben innerhalb ihrer natürlichen Wirte unauffällig. Einige können jedoch auf andere Tierarten oder auf den Menschen übertragen werden. Solche zwischen Tier und Mensch übertragbaren Infektionskrankheiten werden als Zoonosen bezeichnet.

Besondere Aufmerksamkeit erhält das Thema dort, wo sich Lebensräume von Wildtieren, Nutztieren und Menschen überschneiden. Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Jagd, Freizeitaktivitäten und die zunehmende Nutzung naturnaher Gebiete führen dazu, dass Kontakte grundsätzlich möglich sind. Hinzu kommen Veränderungen von Lebensräumen, Tierpopulationen und klimatischen Bedingungen.

Ein modernes Wildtiermonitoring kann deshalb nicht nur Informationen über Wildbestände liefern. Es schafft auch eine Datengrundlage, um Veränderungen von Populationen und deren räumlicher Verteilung frühzeitig zu erkennen. Drohnen, Wärmebildtechnik und KI-gestützte Datenauswertung eröffnen hierbei neue Möglichkeiten.

Welche Krankheitserreger können Wildtiere übertragen?

Das Spektrum potenzieller Krankheitserreger ist groß und unterscheidet sich je nach Tierart, Region und Übertragungsweg. Wildtiere können unter anderem Viren, Bakterien und Parasiten beherbergen, ohne selbst unmittelbar sichtbare Krankheitssymptome zu zeigen.

Ein bekanntes Beispiel ist die Afrikanische Schweinepest (ASP), die insbesondere Wild- und Hausschweine betrifft. Für Menschen stellt das Virus keine Gesundheitsgefahr dar. Ein Ausbruch kann jedoch erhebliche Auswirkungen auf Tierhaltung, Landwirtschaft und Wildtiermanagement haben.

Andere Erreger besitzen dagegen zoonotisches Potenzial und können somit auch für Menschen relevant sein.

Dazu zählen beispielsweise Hantaviren. Bestimmte Nagetiere dienen als natürliche Wirte und können die Viren über Speichel, Urin oder Kot ausscheiden. Eine Infektion des Menschen kann unter anderem beim Einatmen erregerhaltiger Partikel erfolgen.

Auch Leptospiren können bei Wildtieren vorkommen. Die Bakterien werden unter anderem über den Urin infizierter Tiere ausgeschieden und können Gewässer oder feuchte Böden kontaminieren. Menschen können sich beispielsweise über kleine Hautverletzungen oder Schleimhäute infizieren.

Ein weiteres Thema sind Zecken und andere Vektoren. Wildtiere wie Rehe oder Wildschweine können eine wichtige Rolle im Lebenszyklus verschiedener Zeckenarten spielen. Zecken wiederum können Krankheitserreger übertragen, die beispielsweise Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) verursachen.

Wann werden Wildtiere zur Gefahr für Menschen?

Die bloße Anwesenheit von Wildtieren bedeutet zunächst keine unmittelbare Gesundheitsgefahr. Entscheidend sind unter anderem Erreger, Übertragungsweg, Populationsdichte und Kontaktmöglichkeiten.

Ein erhöhtes Augenmerk kann beispielsweise dort sinnvoll sein, wo sich Wildtiere regelmäßig in unmittelbarer Nähe menschlicher Siedlungen aufhalten. Das betrifft unter anderem Wildschweine, Füchse oder bestimmte Nagetiere.

Auch beruflich exponierte Personengruppen können häufiger mit Wildtieren oder deren Ausscheidungen in Kontakt kommen. Dazu gehören beispielsweise Beschäftigte in Forst- und Landwirtschaft, Jäger, Tierärzte oder Personen, die mit Wildtierkadavern umgehen.

Eine weitere Schnittstelle entsteht zwischen Wild- und Nutztierbeständen. Krankheitserreger können sich teilweise über direkte Kontakte, Ausscheidungen, kontaminiertes Material oder Vektoren zwischen Populationen bewegen.

Deshalb ist nicht nur entscheidend zu wissen, wie viele Tiere vorhanden sind, sondern auch wo sie sich aufhalten und wie sich ihre räumliche Verteilung verändert.

Warum ist Wildtiermonitoring wichtig?

Traditionell erfolgt die Beobachtung von Wildbeständen beispielsweise durch Sichtungen, Jagdstatistiken, Fotofallen, Losungsanalysen oder Begehungen. Diese Methoden bleiben wichtig, besitzen aber je nach Gelände und Fragestellung Grenzen.

Große Waldgebiete, dichter Bewuchs und schwer zugängliche Flächen erschweren eine flächendeckende Erfassung. Hinzu kommt, dass viele Wildtiere überwiegend in der Dämmerung oder nachts aktiv sind.

Drohnen können das bestehende Instrumentarium deshalb sinnvoll ergänzen.

Ausgestattet mit Wärmebild- und hochauflösender RGB-Sensorik können Flächen aus der Luft systematisch erfasst werden. Insbesondere Wärmebildtechnik ermöglicht es unter geeigneten Bedingungen, die Wärmesignaturen von Tieren gegenüber ihrer Umgebung sichtbar zu machen.

So können beispielsweise Wildschweine, Rehwild, Rotwild oder andere größere Wildtiere auf definierten Flächen lokalisiert und gezählt werden.

Wildtiermonitoring mit Drohne und KI

Der entscheidende Vorteil entsteht durch die Verbindung von Drohnenbefliegung, Sensorik und automatisierter Datenauswertung.

Während einer Befliegung entstehen große Mengen georeferenzierter Bild- und Sensordaten. KI-gestützte Systeme können die Auswertung dieser Daten unterstützen, indem sie potenzielle Tiere erkennen, markieren und – abhängig von Aufnahmequalität und eingesetztem Verfahren – bestimmten Tierarten oder Kategorien zuordnen.

Dadurch lassen sich beispielsweise Informationen über Bestandsgrößen, Aufenthaltsbereiche und räumliche Verteilungen gewinnen.

Besonders interessant wird diese Form des Monitorings bei wiederholten Befliegungen.

Wird eine Fläche regelmäßig unter vergleichbaren Bedingungen erfasst, entsteht nicht nur eine einzelne Bestandsaufnahme, sondern eine zeitliche Datenreihe. Dadurch können Veränderungen sichtbar werden: Wo steigen Bestände deutlich an? Wo entstehen ungewöhnliche Konzentrationen? Verändern Tiere ihre Aufenthaltsbereiche? Gibt es Bereiche mit besonders hoher Wilddichte?

Genau diese Informationen können auch im Zusammenhang mit Tiergesundheit und Seuchenprävention relevant sein.

Können Drohnen kranke Wildtiere erkennen?

Hier ist eine klare Abgrenzung wichtig: Eine Drohne diagnostiziert keine Infektionskrankheit.

Auch eine Wärmebildkamera kann nicht feststellen, ob ein Wildschwein beispielsweise mit einem bestimmten Virus infiziert ist. Eine erhöhte oder veränderte Wärmesignatur allein ist kein zuverlässiger Nachweis einer Erkrankung.

Das Wildtiermonitoring kann jedoch helfen, Auffälligkeiten und räumliche Zusammenhänge zu identifizieren.

Werden beispielsweise ungewöhnliche Bestandsveränderungen, Tieransammlungen, veränderte Aufenthaltsbereiche oder andere Auffälligkeiten festgestellt, können diese Informationen genutzt werden, um weitere Untersuchungen gezielter zu planen.

Die eigentliche Feststellung eines Krankheitserregers erfordert anschließend geeignete veterinärmedizinische beziehungsweise labordiagnostische Verfahren.

Drohne und KI ersetzen damit weder Tierärzte noch Laboruntersuchungen. Sie können vielmehr eine zusätzliche Ebene der großflächigen Beobachtung und Datenerhebung schaffen.

Vom einzelnen Flug zum langfristigen Frühwarnsystem

Das größte Potenzial liegt deshalb weniger in einer einmaligen Wildzählung als in einem langfristig aufgebauten Monitoring.

Werden definierte Gebiete regelmäßig beflogen, lassen sich Wildtierpopulationen über Monate oder Jahre beobachten. Die gewonnenen Daten können mit weiteren Informationen aus Jagd, Forstwirtschaft, Veterinärwesen oder wissenschaftlichen Untersuchungen kombiniert werden.

Auf diese Weise entsteht ein wesentlich differenzierteres Bild als durch eine reine Momentaufnahme.

Gerade bei möglichen Tierseuchen oder zoonotischen Krankheitserregern ist Wissen über die räumliche Verteilung der relevanten Wildtierpopulationen von Bedeutung. Behörden, Jagdausübungsberechtigte, Forstbetriebe oder wissenschaftliche Einrichtungen können dadurch besser einschätzen, in welchen Bereichen ergänzende Untersuchungen sinnvoll sein könnten.

Drohnen liefern Daten – die Bewertung erfolgt durch Fachstellen

Wildtiere sollten nicht grundsätzlich als Gesundheitsrisiko betrachtet werden. Dennoch können sie Teil komplexer Infektionsketten sein. Umso wichtiger ist es, Wildtierpopulationen nicht nur punktuell, sondern möglichst systematisch zu beobachten.

Drohnenbasierte Wildtierzählungen ermöglichen es, große Flächen vergleichbar und wiederholbar zu erfassen. Wärmebildtechnik unterstützt die Detektion von Tieren, während KI bei der Verarbeitung umfangreicher Datenmengen helfen kann.

Im Zusammenhang mit Krankheitserregern entsteht daraus vor allem ein Vorteil: auffällige Entwicklungen können räumlich und zeitlich besser eingeordnet werden.

Der direkte Nachweis einer Infektion bleibt Aufgabe veterinärmedizinischer und labordiagnostischer Untersuchungen. Doch je genauer bekannt ist, wo sich welche Wildtierbestände befinden und wie sie sich entwickeln, desto gezielter können weiterführende Maßnahmen geplant werden.

Damit wird modernes Wildtiermonitoring zu einem zusätzlichen Werkzeug an der Schnittstelle von Wildtiermanagement, Forstwirtschaft, Tierseuchenprävention und öffentlicher Gesundheit.