Das Augenlid ist eine dünne, bewegliche Hautfalte, die das Auge bedeckt und schützt. Obwohl es auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, übernimmt es mehrere wichtige Aufgaben für die Gesundheit und Funktion unserer Augen. Muskeln ermöglichen es, die Lider bewusst oder reflexartig zu öffnen und zu schließen. Gleichzeitig sorgen Drüsen, Tränenflüssigkeit und der regelmäßige Lidschlag dafür, dass die empfindliche Augenoberfläche geschützt und ausreichend befeuchtet bleibt.
Am Rand der Augenlider befinden sich außerdem die Wimpern. Sie bilden eine zusätzliche Schutzbarriere und helfen dabei, Staub, kleine Fremdkörper und andere äußere Einflüsse vom Auge fernzuhalten. Werden die Wimpern berührt, kann dies zudem reflexartig einen Lidschluss auslösen.
Welche Funktion haben die Augenlider?
Eine der wichtigsten Funktionen der Augenlider besteht darin, das Auge vor äußeren Einflüssen zu schützen. Bei Gefahr können wir die Augen innerhalb kürzester Zeit schließen. Dieser Reflex schützt die empfindliche Hornhaut beispielsweise vor Staub, Fremdkörpern oder mechanischen Einwirkungen.
Mindestens genauso wichtig ist der regelmäßige Lidschlag. Beim Blinzeln wird die Tränenflüssigkeit gleichmäßig über die Oberfläche des Auges verteilt. Dadurch bleiben Hornhaut und Bindehaut feucht.
Der Tränenfilm trägt außerdem dazu bei, kleine Partikel von der Augenoberfläche zu entfernen. Die Bewegung der Lider transportiert die Tränenflüssigkeit in Richtung der Tränenpünktchen. Von dort kann sie über die ableitenden Tränenwege abfließen.
Ein gesunder Lidschlag ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der natürlichen Schutz- und Reinigungsfunktion des Auges.
Wie ist das Augenlid aufgebaut?
Das Augenlid besteht nicht nur aus einer dünnen Hautschicht. Unter der Haut befinden sich unter anderem Bindegewebe, Muskeln, Drüsen, Blutgefäße und Nerven.
Der Lidrand bildet den Übergang zur Augenoberfläche. Hier sitzen die Wimpern und verschiedene Drüsen. Die Innenseite des Augenlids ist von der Bindehaut bedeckt, die sich bis zum Augapfel fortsetzt.
Dieses komplexe Zusammenspiel ermöglicht es dem Augenlid, gleichzeitig beweglich, stabil und empfindlich genug für seine Schutzfunktion zu sein.
Augenliddrüsen
In den Augenlidern befinden sich verschiedene Drüsen. Dazu gehören unter anderem Talg- und Schweißdrüsen sowie die Meibom-Drüsen.
Besonders wichtig sind die Meibom-Drüsen am Lidrand. Sie produzieren einen fetthaltigen Bestandteil des Tränenfilms. Dieser trägt dazu bei, dass die Tränenflüssigkeit nicht zu schnell verdunstet und die Oberfläche des Auges länger feucht bleibt.
Auch die Tränenflüssigkeit selbst spielt eine entscheidende Rolle. Die Tränendrüse befindet sich im Bereich der oberen äußeren Augenhöhle und produziert insbesondere bei Reizung oder starken Emotionen zusätzliche Tränenflüssigkeit.
Gelangt beispielsweise Staub oder ein anderer Fremdkörper ins Auge, kann die verstärkte Tränenproduktion helfen, diesen wieder auszuspülen.
Welche Muskeln bewegen die Augenlider?
Mehrere Muskeln sind an der Bewegung und Position der Augenlider beteiligt. Für das Anheben des oberen Augenlids spielt insbesondere der Musculus levator palpebrae superioris eine wichtige Rolle. Unterstützt wird die Lidöffnung unter anderem durch den Müller-Muskel.
Auch der Stirnmuskel kann indirekt dazu beitragen, die Augenbrauen und damit den Bereich oberhalb der Lider anzuheben.
Zu den wichtigen beteiligten Muskeln gehören:
- Levator-Muskel
- Müller-Muskel
- Frontalis-Muskel
- Musculus orbicularis oculi
Der Musculus orbicularis oculi umgibt das Auge ringförmig und ermöglicht den Lidschluss. Er sorgt sowohl für das normale Blinzeln als auch für ein kräftiges Zusammenkneifen der Augen, wenn wir unser Auge schützen wollen.
Gleichzeitig ist dieser Muskel an unserer Mimik beteiligt.

Häufige Erkrankungen und Veränderungen des Augenlids
Aufgrund seines komplexen Aufbaus kann das Augenlid von unterschiedlichen Erkrankungen und altersbedingten Veränderungen betroffen sein. Manche sind hauptsächlich kosmetisch störend, andere können die Funktion des Auges beeinträchtigen.
Dermatochalasis – überschüssige Haut am Augenlid
Als Dermatochalasis wird überschüssige und erschlaffte Haut im Bereich der Augenlider bezeichnet. Sie tritt insbesondere mit zunehmendem Alter auf, da Haut und Bindegewebe an Elastizität verlieren.
Besonders häufig ist das Oberlid betroffen. Die Haut kann sich zunehmend über der natürlichen Lidfalte sammeln und den Blick müde oder schwer erscheinen lassen.
Bei ausgeprägten Veränderungen kann die überschüssige Haut sogar das Gesichtsfeld beeinträchtigen. Eine mögliche Behandlung ist die Blepharoplastik beziehungsweise Lidstraffung. Dabei wird überschüssiges Gewebe operativ entfernt beziehungsweise neu positioniert.
Ob eine Lidstraffung aus medizinischen oder ästhetischen Gründen sinnvoll ist, sollte individuell ärztlich beurteilt werden.
Entropium – nach innen gedrehtes Augenlid
Bei einem Entropium dreht sich der Lidrand nach innen. Dadurch können die Wimpern auf der Augenoberfläche reiben.
Dies kann zu einem Fremdkörpergefühl, Rötungen, verstärktem Tränenfluss und Reizungen führen. Bei länger bestehendem Entropium kann auch die Hornhaut geschädigt werden.
Die Veränderung tritt besonders häufig im höheren Lebensalter auf, wenn Gewebe und Muskulatur an Spannung verlieren. Je nach Ausprägung kann eine operative Korrektur erforderlich sein.
Ektropium – nach außen gedrehtes Augenlid
Das Ektropium beschreibt gewissermaßen die entgegengesetzte Veränderung. Hier liegt das Augenlid nicht mehr vollständig am Auge an, sondern dreht sich nach außen.
Dadurch kann die Augenoberfläche schlechter geschützt werden. Betroffene leiden möglicherweise unter trockenen oder tränenden Augen, Reizungen und einem Fremdkörpergefühl.
Auch ein Ektropium tritt häufiger im Alter auf. Daneben können beispielsweise Narben oder eine länger bestehende Gesichtslähmung eine Rolle spielen.
Myokymie – wenn das Augenlid zuckt
Fast jeder kennt gelegentliches Augenlidzucken. Medizinisch wird dieses Phänomen als Myokymie bezeichnet.
Dabei ziehen sich kleine Muskelbereiche des Augenlids unwillkürlich zusammen. Häufige Auslöser können Müdigkeit, Stress, Schlafmangel oder ein hoher Koffeinkonsum sein. Auch lange Bildschirmzeiten können mit Augenbelastung verbunden sein.
In vielen Fällen verschwindet das Zucken von selbst wieder. Hält es jedoch ungewöhnlich lange an oder treten weitere neurologische Beschwerden auf, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Blepharospasmus
Beim Blepharospasmus kommt es zu unwillkürlichen und teilweise kräftigen Kontraktionen der Augenlidmuskulatur. Anders als beim gelegentlichen Augenlidzucken können die Beschwerden deutlich stärker ausgeprägt sein und das Öffnen der Augen erschweren.
Die Symptome können zunächst leicht beginnen und sich im weiteren Verlauf verstärken. Je nach Ursache und Ausprägung kommen unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten infrage. Dazu kann unter anderem eine ärztlich durchgeführte Behandlung mit Botulinumtoxin gehören.
Bell-Lähmung und Augenlid
Bei einer Bell-Lähmung kommt es zu einer plötzlich auftretenden Schwäche oder Lähmung der Gesichtsmuskulatur auf einer Seite.
Davon kann auch der Lidschluss betroffen sein. Lässt sich das Auge nicht mehr vollständig schließen, kann die Augenoberfläche austrocknen. Der Schutz der Hornhaut ist dann besonders wichtig.
Eine neu auftretende einseitige Gesichtslähmung sollte grundsätzlich zeitnah medizinisch abgeklärt werden, da verschiedene Erkrankungen ähnliche Symptome hervorrufen können.
Wann sollte man Veränderungen am Augenlid untersuchen lassen?
Kurzzeitiges Augenlidzucken oder leichte Reizungen sind häufig harmlos. Ärztlicher Rat ist jedoch sinnvoll, wenn Veränderungen länger bestehen, Schmerzen auftreten oder das Sehvermögen beeinträchtigt wird.
Auch ein dauerhaft nach innen oder außen gedrehter Lidrand, ein unvollständiger Lidschluss, starke Schwellungen oder eine plötzlich auftretende Lähmung sollten untersucht werden.
Da die Augenlider wesentlich zum Schutz, zur Befeuchtung und zur Funktionsfähigkeit des Auges beitragen, können Veränderungen weit mehr als ein kosmetisches Problem darstellen. Eine frühzeitige Diagnose hilft dabei, die Ursache festzustellen und bei Bedarf eine geeignete Behandlung einzuleiten.

