Eine erektile Dysfunktion (ED) liegt vor, wenn ein Mann über einen längeren Zeitraum keine für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion erreichen oder aufrechterhalten kann. Gelegentliche Erektionsprobleme sind dagegen keine Seltenheit und können beispielsweise durch Stress, Erschöpfung oder Alkoholkonsum auftreten.
Von einer behandlungsbedürftigen Erektionsstörung spricht man insbesondere dann, wenn die Probleme wiederholt oder dauerhaft auftreten. Typisch ist, dass
- eine Erektion nur manchmal zustande kommt,
- die Erektion nicht lange genug anhält oder
- trotz sexueller Erregung keine ausreichende Erektion erreicht wird.
Erektionsprobleme treten mit zunehmendem Alter häufiger auf, sind jedoch nicht automatisch eine normale Folge des Alterns. Hinter den Beschwerden können körperliche, hormonelle, psychische oder medikamentöse Ursachen stecken. Eine anhaltende erektile Dysfunktion sollte deshalb ärztlich abgeklärt werden.
Hausärzte und insbesondere Urologen sind geeignete Ansprechpartner. Das Gespräch über sexuelle Beschwerden mag zunächst unangenehm erscheinen, gehört für Ärzte jedoch zum medizinischen Alltag.
Hat die erektile Dysfunktion einen anderen Namen?
Eine erektile Dysfunktion wird häufig auch als Erektionsstörung, Potenzstörung oder Impotenz bezeichnet. Der Begriff Impotenz wird in der Medizin inzwischen seltener verwendet, da er unterschiedliche sexuelle Funktionsstörungen beschreiben kann.
Was sind die Symptome einer erektilen Dysfunktion?
Das zentrale Symptom ist die wiederkehrende Schwierigkeit, eine für sexuelle Aktivität ausreichende Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten.
Betroffene können beispielsweise
- nur gelegentlich eine ausreichende Erektion bekommen,
- eine Erektion erreichen, diese aber nicht lange genug halten oder
- trotz sexueller Erregung keine ausreichende Erektion entwickeln.
Dabei ist wichtig: Die erektile Dysfunktion ist häufig nicht die eigentliche Erkrankung, sondern kann Symptom eines anderen gesundheitlichen Problems sein.
Wodurch wird eine erektile Dysfunktion verursacht?
Eine Erektion entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel von Gehirn, Hormonen, Nerven, Blutgefäßen und Muskulatur. Störungen in einem oder mehreren dieser Bereiche können die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen.
Insbesondere Erkrankungen des Gefäß- und Nervensystems sowie Veränderungen des endokrinen Systems können eine Rolle spielen.
Auch wenn Erektionsprobleme mit zunehmendem Alter häufiger werden, verursacht das Alter allein keine erektile Dysfunktion.
Erkrankungen als mögliche Ursache
Verschiedene Erkrankungen können das Risiko einer erektilen Dysfunktion erhöhen. Dazu gehören unter anderem:
- Typ-2-Diabetes
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Atherosklerose
- Bluthochdruck
- chronische Nierenerkrankungen
- Multiple Sklerose
- Peyronie-Krankheit
- hormonelle Störungen
- Erkrankungen oder Verletzungen des Nervensystems
- Verletzungen des Penis, Rückenmarks, der Prostata, Blase oder des Beckens
- Folgen einer Behandlung von Prostatakrebs
- Folgen einer Operation bei Blasenkrebs
Gerade Diabetes kann sowohl Blutgefäße als auch Nerven schädigen und dadurch die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen.
Medikamente können Erektionsprobleme begünstigen
Eine erektile Dysfunktion kann außerdem als Nebenwirkung verschiedener Medikamente auftreten. Dazu können je nach Wirkstoff beispielsweise gehören:
- bestimmte Blutdruckmedikamente
- Antiandrogene
- einige Antidepressiva
- bestimmte Beruhigungsmittel
- einzelne Medikamente gegen Magen-Darm-Erkrankungen
- weitere Arzneimittel, die den Hormonhaushalt, die Nervenfunktion oder den Blutdruck beeinflussen
Wer einen Zusammenhang zwischen einem Medikament und neu aufgetretenen Erektionsproblemen vermutet, sollte das mit seinem Arzt besprechen.
Wichtig: Verordnete Medikamente sollten nicht eigenständig abgesetzt oder in ihrer Dosierung verändert werden.
Psychische und emotionale Ursachen
Nicht jede Erektionsstörung hat eine rein körperliche Ursache. Psyche und Sexualität beeinflussen sich gegenseitig.
Mögliche Faktoren sind:
- Angst vor sexuellem Versagen
- allgemeine Angstzustände
- Depressionen
- Leistungsdruck
- Partnerschaftskonflikte
- geringes Selbstwertgefühl
- beruflicher oder privater Stress
- emotionale Erschöpfung
Dabei kann ein Kreislauf entstehen: Ein einmaliges Erektionsproblem führt zu Unsicherheit und Erwartungsdruck. Diese Anspannung kann wiederum dazu führen, dass beim nächsten sexuellen Kontakt erneut Schwierigkeiten auftreten.
Lebensstil und Erektionsfähigkeit
Auch bestimmte Lebensgewohnheiten können die Entstehung einer erektilen Dysfunktion begünstigen. Dazu gehören insbesondere:
- Rauchen
- hoher Alkoholkonsum
- Drogenkonsum
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
Da eine gute Durchblutung eine wesentliche Voraussetzung für eine Erektion ist, können sich Faktoren, die Herz und Gefäße belasten, auch auf die Sexualfunktion auswirken.
Wie diagnostizieren Ärzte eine Erektionsstörung?
Am Anfang der Diagnostik steht normalerweise ein ausführliches Gespräch über die Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente und die sexuelle Situation.
Dabei interessiert den Arzt beispielsweise:
- Seit wann bestehen die Erektionsprobleme?
- Treten sie immer oder nur in bestimmten Situationen auf?
- Sind morgendliche oder nächtliche Erektionen vorhanden?
- Besteht sexuelles Verlangen?
- Können Erektionen erreicht, aber nicht gehalten werden?
- Gibt es bekannte Vorerkrankungen?
- Welche Medikamente werden eingenommen?
- Gibt es psychische Belastungen oder starken Stress?
- Werden Alkohol, Nikotin oder andere Substanzen konsumiert?
Diese Informationen können bereits wichtige Hinweise darauf geben, ob eher körperliche, psychische oder kombinierte Ursachen vorliegen.

Während einer normalen Erektion füllen sich die Schwellkörper (Corpora cavernosa) mit Blut. Der erhöhte Blutfluss und der verringerte Blutabfluss sorgen dafür, dass der Penis steif wird.
Medizinische und sexuelle Anamnese
Die medizinische und sexuelle Vorgeschichte ist ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik.
Dabei können unter anderem Fragen gestellt werden zu:
- Häufigkeit und Qualität der Erektionen
- Fähigkeit, eine Erektion aufrechtzuerhalten
- sexueller Zufriedenheit
- morgendlichen Erektionen
- sexuellem Verlangen
- Orgasmus und Ejakulation
- früheren Operationen oder Verletzungen
- bestehenden Erkrankungen
- eingenommenen Medikamenten
- Alkohol-, Nikotin- oder Drogenkonsum
Je genauer die Beschwerden eingeordnet werden können, desto gezielter lässt sich nach möglichen Ursachen suchen.
Körperliche Untersuchung und psychische Faktoren
Neben der Anamnese kann eine körperliche Untersuchung erfolgen. Dabei können unter anderem Penis und Hoden sowie Blutdruck, Puls und andere Hinweise auf Gefäß-, Nerven- oder Hormonprobleme beurteilt werden.
Auch körperliche Veränderungen wie eine Gynäkomastie können Hinweise auf hormonelle Veränderungen liefern.
Besteht der Verdacht auf psychische oder partnerschaftliche Faktoren, können ergänzende Gespräche oder standardisierte Fragebögen eingesetzt werden.
Blutuntersuchungen
Je nach individuellem Befund können Blutuntersuchungen sinnvoll sein. Dabei lassen sich beispielsweise Hinweise auf
- Diabetes,
- Fettstoffwechselstörungen,
- Nierenerkrankungen oder
- hormonelle Veränderungen
feststellen.
Ob und welche Laborwerte bestimmt werden, entscheidet der behandelnde Arzt anhand der individuellen Situation.
Ultraschalluntersuchung
Bei bestimmten Fragestellungen kann eine Doppler-Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden. Damit lässt sich der Blutfluss in den Gefäßen des Penis beurteilen.
Eine solche Untersuchung kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn eine gefäßbedingte Ursache der Erektionsstörung vermutet wird.
Weitere Untersuchungen
In ausgewählten Fällen kommen weitere diagnostische Verfahren infrage.
Nächtliche Erektionsmessung: Dabei wird untersucht, ob während des Schlafes spontane Erektionen auftreten. Dies kann bei speziellen Fragestellungen dabei helfen, körperliche und psychische Ursachen voneinander abzugrenzen.
Schwellkörper-Injektionstest: Hierbei wird unter ärztlicher Kontrolle ein gefäßerweiternder Wirkstoff in den Schwellkörper injiziert. Anschließend wird beurteilt, ob und wie stark eine Erektion entsteht.
Solche Untersuchungen sind nicht bei jedem Patienten erforderlich.
Was kann man selbst gegen Erektionsprobleme tun?
Die Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Ursache. Liegen beispielsweise Diabetes, Bluthochdruck oder andere Grunderkrankungen vor, ist deren konsequente Behandlung ein wichtiger Bestandteil der Therapie.
Auch Veränderungen des Lebensstils können sich positiv auf die Gefäßgesundheit und damit auf die Erektionsfähigkeit auswirken.
Lebensstil verändern
Je nach persönlicher Situation können folgende Maßnahmen sinnvoll sein:
- mit dem Rauchen aufhören
- Alkoholkonsum reduzieren
- regelmäßige körperliche Aktivität
- Übergewicht reduzieren
- ausgewogen ernähren
- ausreichend schlafen
- Stress reduzieren
- auf Drogen verzichten
Die Wirkung solcher Veränderungen zeigt sich nicht zwangsläufig sofort. Langfristig können sie jedoch Faktoren verbessern, die für Herz-Kreislauf-Gesundheit und Sexualfunktion wichtig sind.
Psychologische Unterstützung
Sind Stress, Versagensängste, Depressionen oder Partnerschaftsprobleme an der Erektionsstörung beteiligt, kann psychologische oder sexualtherapeutische Unterstützung sinnvoll sein.
Je nach Situation kann auch die Partnerin oder der Partner einbezogen werden. Ziel ist unter anderem, Leistungsdruck abzubauen und einen entspannteren Umgang mit Sexualität zu ermöglichen.
Wie werden Erektionsstörungen behandelt?
Welche Behandlung infrage kommt, hängt von Ursache, Ausprägung, bestehenden Erkrankungen und persönlichen Präferenzen ab.
Neben der Behandlung möglicher Grunderkrankungen stehen verschiedene medikamentöse und nichtmedikamentöse Verfahren zur Verfügung.
Medikamente gegen erektile Dysfunktion
Zu den bekanntesten medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten gehören sogenannte PDE-5-Hemmer. Dazu zählen unter anderem:
- Sildenafil
- Tadalafil
- Vardenafil
- Avanafil
Diese Wirkstoffe unterstützen bei sexueller Stimulation die Erweiterung der Blutgefäße im Penis und können dadurch den Blutfluss in die Schwellkörper verbessern.
Je nach Wirkstoff unterscheiden sich unter anderem Wirkungseintritt und Wirkdauer. Einen weiterführenden Überblick über unterschiedliche Potenzpillen für den Mann und deren Eigenschaften bietet beispielsweise ein entsprechender medizinischer Ratgeber.
Welche Behandlung geeignet ist, sollte individuell geklärt werden. Insbesondere bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder der Einnahme anderer Medikamente können relevante Wechselwirkungen bestehen.
PDE-5-Hemmer dürfen insbesondere nicht zusammen mit Nitraten eingenommen werden, da der Blutdruck dadurch gefährlich stark abfallen kann.
Auch bei der Einnahme bestimmter Alpha-Blocker oder bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollte die Anwendung zuvor ärztlich besprochen werden.
Testosteron bei nachgewiesenem Mangel
Ein Arzt kann eine Behandlung mit Testosteron erwägen, wenn tatsächlich ein relevanter Testosteronmangel festgestellt wurde und dieser mit den Beschwerden zusammenhängt.
Testosteron ist jedoch keine allgemeine Behandlung für jede erektile Dysfunktion. Bei primär gefäß- oder nervenbedingten Ursachen ist eine Testosterontherapie nicht automatisch hilfreich.
Eine Hormonbehandlung sollte ausschließlich nach entsprechender Diagnostik und unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.
Stoßwellentherapie bei Erektionsstörungen
Bei bestimmten Patienten wird auch die niedrigenergetische extrakorporale Stoßwellentherapie als Behandlungsoption diskutiert. Ziel ist es, durch Schallwellen Prozesse im Gewebe anzuregen und die Durchblutung zu unterstützen.
Das Verfahren eignet sich nicht automatisch für jede Form der erektilen Dysfunktion. Ob eine solche Behandlung sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Ursache und dem Ausmaß der Beschwerden ab.
Weitere Informationen zur Behandlung von Erektionsstörungen mit Gentle Pro können einen Überblick über das Verfahren geben.
Vakuumpumpe als mechanische Unterstützung
Eine Vakuumpumpe kann eine Erektion unterstützen, indem rund um den Penis ein Unterdruck erzeugt wird. Dadurch strömt Blut in die Schwellkörper.
Das System besteht typischerweise aus
- einem Zylinder,
- einer Pumpe und
- einem elastischen Penisring.
Nach Erreichen der Erektion wird der Ring an der Peniswurzel platziert, um den Blutabfluss vorübergehend zu reduzieren.
Der Ring sollte nur entsprechend der Hersteller- beziehungsweise ärztlichen Empfehlung getragen werden. Eine zu lange Anwendung kann Durchblutungsprobleme und Verletzungen verursachen.
Mögliche Begleiterscheinungen sind vorübergehende Blutergüsse, ein Kälte- oder Taubheitsgefühl und eine veränderte Ejakulation.
Injektionstherapie
Wenn Tabletten nicht ausreichend wirken oder nicht eingenommen werden dürfen, können bei geeigneten Patienten Medikamente direkt in den Schwellkörper eingebracht werden.
Bei der sogenannten Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT) wird ein gefäßerweiternder Wirkstoff verwendet, der eine Erektion auslösen kann.
Die Anwendung muss ärztlich erklärt und individuell dosiert werden. Eine mögliche Komplikation ist eine ungewöhnlich lange anhaltende Erektion.
Operative Behandlung und Penisimplantate
Operative Verfahren kommen normalerweise erst infrage, wenn andere Behandlungsmöglichkeiten nicht geeignet sind oder keinen ausreichenden Erfolg bringen.
Eine Möglichkeit ist die Implantation einer Penisprothese. Dabei stehen unterschiedliche Systeme zur Verfügung, darunter
- hydraulische beziehungsweise aufblasbare Implantate und
- formbare Implantate.
Welches Verfahren geeignet ist, muss individuell mit einem spezialisierten Urologen besprochen werden.
Gefäßchirurgische Eingriffe spielen nur bei ausgewählten Patienten eine Rolle, beispielsweise bei bestimmten Verletzungen und klar definierten Gefäßschäden.
Welche Nebenwirkungen können Medikamente gegen Erektionsstörungen haben?
PDE-5-Hemmer können – abhängig vom jeweiligen Wirkstoff – Nebenwirkungen verursachen. Dazu können beispielsweise gehören:
- Kopfschmerzen
- Gesichtsrötung
- verstopfte Nase
- Verdauungsbeschwerden
- Schwindel
- Blutdruckveränderungen
- vorübergehende Sehstörungen
Welche Nebenwirkungen auftreten können und welche Gegenanzeigen bestehen, unterscheidet sich zwischen den einzelnen Wirkstoffen.
Eine seltene, aber ernst zu nehmende Komplikation ist der Priapismus, eine ungewöhnlich lange und meist schmerzhafte Erektion.
Hält eine Erektion etwa vier Stunden oder länger an, sollte unverzüglich medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.
Auch plötzlich auftretende Seh- oder Hörstörungen nach der Einnahme eines Medikaments sollten umgehend medizinisch abgeklärt werden.
Wann sollte man mit Erektionsproblemen zum Arzt?
Einzelne Erektionsprobleme sind zunächst kein Grund zur Sorge. Treten die Beschwerden jedoch wiederholt über einen längeren Zeitraum auf, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Das gilt insbesondere, wenn gleichzeitig
- Diabetes,
- Bluthochdruck,
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
- hormonelle Beschwerden,
- neurologische Erkrankungen oder
- andere gesundheitliche Veränderungen
bestehen.
Eine erektile Dysfunktion kann unter Umständen frühzeitig auf Gefäß- oder Stoffwechselprobleme hinweisen. Deshalb sollte die Behandlung nicht ausschließlich darauf abzielen, kurzfristig eine Erektion zu ermöglichen. Ebenso wichtig ist es, mögliche zugrunde liegende Ursachen zu erkennen und zu behandeln.
Quellenverweise
Erektile Dysfunktion – Georg Thieme Verlag
Erektile Dysfunktion – Neue Medikamente unter besonderer Berücksichtigung der PDE-5-Inhibitoren – Springer Link
Prostatakarzinom und erektile Dysfunktion – Welche Therapie wann?

