Pflegegrad 1 – Leistungen, Bedingungen und Voraussetzungen

Pflegegrad 1 – Leistungen, Bedingungen und Voraussetzungen

Seit dem 01.01.2017 wurden die bisher drei Stufen des Pflegesystems in die Pflegegrade 1 bis 5 umgewandelt. Hierdurch soll der Erhalt von Leistungen und die Einstufung PflegebedĂŒrftiger fairer und einfacher gestaltet werden. Im bisherigen System wurden PflegebedĂŒrftige, die sich ĂŒberwiegend selbststĂ€ndig versorgen können, nicht berĂŒcksichtigt. Das hat sich mit dem neuen Pflegegrad 1 zum GlĂŒck verĂ€ndert.

WofĂŒr steht Pflegegrad 1?

Der Pflegegrad 1 richtet sich an versicherte Personen, die eine anerkannte, geringe BeeintrÀchtigung der SelbststÀndigkeit haben. Sie sind geistig und körperlich noch recht beweglich. Nach dem alten Pflegesystem hatte diese Personengruppe keinen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung.

Voraussetzungen und Kriterien fĂŒr den Pflegegrad 1

Zuerst muss die versicherte Person einen Antrag auf Pflegegeld stellen. Anschließend erfolgt das neuartige PrĂŒfverfahren „Neues Begutachtungsassessment (NBA)“. Werden hierbei zwischen 12,5 und 27 Punkte erzielt, stehen dem Versicherten Leistungen fĂŒr den Pflegegrad 1 zu.

  1. MobilitĂ€t: Der PrĂŒfer ĂŒberprĂŒft, wie selbststĂ€ndig der Begutachte sich beispielsweise umsetzen kann oder wie er noch Treppen steigen kann
  2. Kommunikative und kognitive FÀhigkeiten: Kann der Versicherte noch alleine Entscheidungen treffen? Findet er sich zeitlich und örtlich im Alltag zurecht?
  3. Psychische Probleme und Verhaltensweisen: Gibt es beim Begutachten motorische VerhaltensauffÀlligkeiten oder ist er zum Beispiel in der Nacht unruhig?
  4. Selbstversorgung: Wie selbststÀndig ist der Versicherte hinsichtlich der Körperpflege, auf

die Zubereitung von Mahlzeiten und beim An- und Ausziehen?

  1. SelbststÀndiger Umgang mit therapie- und krankheitsbedingten Belastungen und Anforderungen: Braucht der Versicherte Hilfe beispielsweise bei der Sauerstoff- und Medikamentengabe?
  2. Soziale Kontakte und Gestaltung des Alltagslebens: Kann sich der Versicherte noch alleine beschÀftigen und pflegt er noch soziale Kontakte?

FĂŒr jedes der sechs Module vergibt der Gutachter, in AbhĂ€ngigkeit des Grades der SelbststĂ€ndigkeit, Punkte. Diese Punkte werden addiert und gewichtet und fĂŒhren zu Einteilung des Pflegegrades. FĂŒr jeden Pflegegrad gibt es eine bestimmte Anzahl an Punkten. Je höher die Punktzahl ist, desto höher sind die BeeintrĂ€chtigungen und der Pflegegrad.

Sollte der Versicherte nach der Begutachtung durch MEDICPROOF oder MDK keinen Pflegegrad erhalten, sodass der Antrag auf Pflegegrad abgelehnt wird, kann der Versicherte in einem Zeitraum von vier Wochen Einspruch einlegen.

Welche Leistungen enthÀlt der Pflegegrad 1?

Personen mit einem anerkannten Pflegegrad 1 bekommen aus der Pflegekasse folgende Leistungen:

  • Hausnotruf Zuschuss in Höhe von 18,36 EUR pro Monat fĂŒr die Betriebskosten sowie eine einmalige Zahlung in Höhe von 10,49 EUR fĂŒr die AnschlussgebĂŒhren.
  • Einen Entlastungsbeitrag von 125,00 EUR pro Monat fĂŒr zusĂ€tzliche Entlastungs- und Betreuungskosten.
  • FĂŒr die Wohnraumanpassung erhalten Versicherte einmalig bis zu 4.000 EUR, damit die RĂ€ume barrierefrei umgebaut werden können – zum Beispiel der Umbau des Badezimmers oder die Installation eines Treppenlifts.
  • FĂŒr Pflegehilfsmittel werden bis zu 40 EUR pro Monat gewĂ€hrt.
  • Ambulante Wohngruppen werden einmalig mit einem Betrag von 2.500 EUR bis zu 4.000 EUR gefördert. Neben des GrĂŒndungszuschusses werden monatlich 214 EUR Organisationszuschuss fĂŒr die Senioren-WG gezahlt.

Quelle: https://www.senioro24.de/haeufig-gestellte-fragen/wie-ermitteln-sie-den-pflegegrad-eines-pflegebeduerftigen/

Welche Voraussetzungen hat der Pflegegrad 1?

Die Anerkennung des Pflegegrads 1 setzt voraus, dass bei der Pflegebegutachtung durch den MDK (fĂŒr gesetzlich Versicherte) und durch MEDICPROOF (fĂŒr privat Versicherte) eine Punktzahl zwischen 12,5 und 27 Punkte rauskommen. Liegt dieses vor, ist der Versicherte gering in seiner SelbststĂ€ndigkeit beeintrĂ€chtigt.

Wie viele Geld erhÀlt man beim Pflegegrad 1?

Bei einem anerkannten Pflegegrad 1 erhalten Versicherte ZuschĂŒsse fĂŒr den Hausnotruf, Pflegehilfsmittel fĂŒr den Verbrauch, zur Wohngruppenförderung und Wohnraumanpassung sowie 125 EUR pro Monat fĂŒr die Erstattung von Entlastungs- und Betreuungsleistungen. Keinen Anspruch haben Versicherte auf Pflegegeld, ZuschĂŒsse zur Kurzzeit-, Verhinderungs-, Nacht- und Tagespflege und ebenfalls nicht auf einen Zuschuss zur vollstationĂ€ren Pflege,

Bekommt man beim Pflegegrad 1 Verhinderungspflege oder Kurzzeitpflege?

Hier lautet die Antwort „Nein“. Versicherte mit einem Pflegegrad 1 haben keinen Anspruch auch Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege.

Beinhaltet Pflegegrad 1 Entlastungsleistungen?

Beim Pflegegrad 1 haben Versicherte Anspruch auf einen Entlastungsbetrag von monatlich 125 EUR. Dieser kann fĂŒr zusĂ€tzliche Entlastungs- und Betreuungskosten eingesetzt werden.

Besteht beim Pflegegrad 1 die Möglichkeit einer Haushaltshilfe?

Ja, der Entlastungsbetrag von monatlich 125 EUR kann auch fĂŒr eine Haushaltshilfe verwendet werden.

Werden beim Pflegegrad 1 Leistungen fĂŒr eine stationĂ€re Pflege gezahlt?

Nein, der Pflegegrad 1 beinhaltet keinen Leistungen fĂŒr einen vollstationĂ€re Pflege in einem Alters- oder Pflegeheim.

ErhÀlt man beim Pflegegrad 1 einen Zuschuss zum Hausnotruf?

Ja, beim Pflegegrad 1 gewĂ€hrt die Pflegekasse monatlich 18,36 fĂŒr die Betriebskosten des Hausrufs und einmalig 10,49 EUR als Zuschuss fĂŒr die Anschlusskosten des GerĂ€tes.

Wie legt man richtig Widerspruch gegen den Pflegegrad 1 ein?

Ist der Versicherte mit der Einteilung des Pflegegrades nicht einverstanden, kann er innerhalb von vier Wochen nach dem Bescheid der Pflegekasse Einspruch einlegen. Ratsam ist ein persönliches GesprÀch, sodass die Situation besser eingeschÀtzt werden kann und die Erfolgschancen erhöht werden.

Leistungen bei stationÀrer Pflege und Pflegegrad 1

Möchte ein Versicherter mit Pflegegrad 1 eine vollstationĂ€re Pflege in einem Pflegeheim in Anspruch nehmen, so muss er die Kosten komplett alleine tragen. Lediglich ein monatlicher Entlastungsbeitrag in Höhe von 125 EUR kann dafĂŒr angerechnet werden.

WĂŒnschen sich Menschen mit Pflegegrad 1 vollstationĂ€re Pflege in einem Pflegeheim, so zahlen sie die Kosten fĂŒr die stationĂ€re Pflege und die anfallenden EigenbeitrĂ€ge fĂŒr Unterkunft, Verpflegung und anteilige Investitionskosten alleine. Sie können lediglich den monatlichen Entlastungsbeitrag von 125 Euro dafĂŒr anrechnen. Versicherte, die bis zum 31.12.2016 in einem Pflegeheim ohne anerkannte Pflegestufe gelebt haben, mĂŒssen seit Januar 2017 die Kosten komplett alleine tragen. Haben sie nicht genĂŒgend finanzielle Mittel, können sie einen Antrag auf „Hilfe zur Pflege“ beim Sozialamt stellen und so bis zu 1.000 EUR und mehr monatlich erhalten.

Sonderfall Pflegegrad 1

Der Pflegegrad 1 dient dazu, dass sich die SelbststĂ€ndigkeit von Versicherten lange erhalten bleibt und sie ihre hĂ€usliche Umgebung nicht verlassen mĂŒssen. Daher haben Sie auch einen Anspruch auf eine detaillierte Pflegeberatung, sodass frĂŒhzeitig auf die Situation des Betroffenen eingegangen werden kann. Angehörige haben die Möglichkeit kostenfrei an einem Pflegekurs teilzunehmen.

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